Diskurs

The Flodders will rise again

Aber, liebe SZ, wenn man sich mit solchen Sentenzen eines gewissen Werner Schneiders erstmal hat in Rage schreiben lassen (Der Film beschränkt sich auf zwei dysfunktionale Familien; er zeigt Szenen brutaler Gewalt eines Vaters gegen seinen Sohn, Szenen gegenseitiger Verachtung und drastisch praktizierter Treulosigkeit von Ehepartnern; er stellt dar, wie gewinnbringend der Handel mit Drogen ist und wie man als jugendlicher Händler und Konsument seine Eltern täuscht.), um im Fazit auf besser geeignete Figuren zu stoßen, die zeigen, wie ein Leben gelingen kann, wenn Selbstvertrauen, Verantwortungs- und Anstrengungsbereitschaft das Leben leiten, obwohl den Anlass zur zivilgesellschaftlichen Erzürnung doch eigentlich "American Beauty" bot, also noch eigentlicher dessen Schneiders Meinung nach zweifelhafter Status als thematische Abiturprüfungs-Vorgabe, in der es inhaltlich am eigentlichsten ja schon darum gehen soll, wie unterschiedlich der oft so genannte amerikanische Traum denn eben beschaffen sein kann, im Guten wie im Schlechten, und Du also nun herumkrakeelen lässt, dass sich Suizid, Ehebruch, Drogenhandel und Elterntäuschung nicht als wochenlanges Unterrichtsthema schicken, Selbstbefriedigung, Verführung Minderjähriger und Stressabbau durch Waffengewalt schon gar nicht, wenn also offensichtlich vornehmlich die Weihen der Träumerei besungen werden sollen, dann darf doch schon einmal gefragt werden, ob die Filme Catch 22, Erbarmungslos, Wie ein wilder Stier, Bonnie und Clyde, Magnolia, Duell, Badlands, The Wild Bunch, Vierzig Gewehre, Harold & Maude, American Gigolo, Fargo, The Deer Hunter, Wall Street, L.A. Confidential, In den Wind geschrieben und noch so manch weitere Werke Deiner Kanonimitierenden SZ-Cinemathek nicht besser samt und sonders durch Pretty Woman ersetzt werden sollten, schon um ein bildungspädagogisches Zeichen zu setzen? Ach, schon ausverkauft? Naja, die nächste Liste steht sicher schneller als Du denkst, oder?

Was meint schon skurril...

...wenn ein hiesiger Journalist, neben dem üblichen Sperrfristengedöns, für den Besuch einer Filmpressevorführung auch folgenden Passus unterschreibt:

"Darüber hinaus bestätige ich, dass mein Artikel / meine Kritik und/oder meine eigene Meinung zu dem Film, die in der Teilnahme an dieser Vorführung begründet sind, nicht vor dem 27. April 2009 in Printmedien wie Zeitungen oder Illustrierten, im Rundfunk, wie TV oder Radio und /oder in Neuen Medien wie Blogs, Foren oder Webseiten veröffentlicht, verbreitet und/oder an Dritte weitergegeben werden."

Wieder spannend zu beobachten: Wer leckt und wer lässt lecken? Alles weitere von Matthias Huber auf Telepolis.
via

Petition Bedingungsloses Grundeinkommen

Und weil es für Projekte wie das unten angeführte Zeit und Muße braucht, sollte noch schleunigst auf der Seite des Deutschen Bundestags diese Petition für die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens gezeichnet werden. Die Frist läuft heute ab, und entgegen auch meiner Erwartungen ist der Ansturm groß genug, dass die zur Debatte im Bundestag verpflichtende Mindestzahl von 50 000 Unterstützern vermutlich erfüllt wird - seit Einführung der Anmeldepflicht im Oktober letzten Jahres ein Novum und schon aus diesem Grund ein in allen Belangen interessantes Phänomen. Das Für und Wider scheint mir dabei weniger gewichtig. Vielleicht aber bekommen in dieser gelungenen Rede Sarah Wagenknechts auch die Unkenrufer mal gleich für mehrere Sinne gehobelt, worin eigentlich die Krise der derzeitigen Krise besteht. Oder durch diese schlauen Beobachtungen vor allem Thomas Ebermanns - aber da hege ich keine großen Hoffnungen.

Szenezersetzer vs. Tykwer-Förderer

Ein ängstlicher Autor fürchtet um den guten Ruf seiner Zunft und merkt viel zu spät, dass er bloß seinem anachronistischen Weltbild erlegen ist. Ein fades Sujet trifft auf die längst eingeebneten Pfade des Kulturpessimismus`. Aufgrund argumentativer Mängel brilliert der stümperhafte Essay durch seine unfreiwillig komische Aporie. Sobald der Leser allerdings die einzige Metapher des Stücks entschlüsselt hat, erwarten ihn bloß noch mittelmäßiger Stil und grobschlächtige Verallgemeinerungen, die an seine niedersten Instinkte appellieren. Der seltene Fall eines missratenen Originals, das von von seinen drei teils erheblich konzentrierter erzählten (1, 2, 3) Fortsetzungen qualitativ übertrumpft wird. Wir raten ab.

Nachtrag: In der taz schaltet sich Christina Nord ein.

Bombenstimmung

Sperrfristen begleiteten den Krieg der Welten und Kill Bill 2, mehr oder weniger dezente Leibesvisitationen gehören ohnehin zu Pressevorführungen potentieller Blockbuster dazu wie demnächst wohl auch die Bespitzelung durchs Nachtsichtgerät für den gemeinen Zuschauer. Kurz: Es wird immer ungemütlicher im Kino. Der neuste Streich von Constantin Film senkt den Bodensatz der Unverschämtheiten noch einige Meter tiefer: So lässt sich beim filmtagebuch ein Verweis zur Meldung der Süddeutschen Zeitung finden, demzufolge eine zu frühzeitige Berichterstattung zum neusten Eichinger-Schmand "Der Baader-Meinfof-Komplex" mit einer Geldstrafe von bis zu 100 000 Euro geahndet wird, fairerweise 50/50 aufgeteilt zwischen dem Verfasser und dem ihn publizierenden Organ. Freie Presse, Unabhängigkeit der Berichterstattung, allein schon die Einflussnahme der Filmkritik auf den Kinobesucher in spe, das Verhältnis von Kritik zum bestenfalls positivistischen PR-Geseier, dies sind alles so Dinge, die, allseits breit erörtert, durch derartiges Vorgehen natürlich im Schwinden begriffen sind, sofern man ihr Nischendasein überhaupt noch registriert. Blicken wir doch stattdessen vorfreudig auf den Verlauf eines sich selbst diskreditierenden Zirkels (denn der breitenwirksame Boykott wird natürlich ausbleiben, dafür stehen die üblichen Verdächtigen mit ihren klanglosen Namen) und fantasieren uns für nur fünf Minuten eine Welt, so ganz von Untergängen, Berner-Wundern und missverstandenen Komplexen bereinigt, herbei. Auch wenn sie bereits unfreiwillig als Dystopien unlängst erprobt wurden, wünschte man sich dann fast, einfach zur spöttischen Unterhaltung, einen Stefan Aust zum Spiegel zurück. Andererseits: lässt sich die Freude der Nichtbeachtung nur schwer kommunizieren, soll die Polemik nicht im Dreieck tanzen. Also bleibt es vorerst bei der Feststellung, dass auch dieser Industriezweig mitunter ziemlich beschissen ist.

Nachtrag: Auf Telepolis wurde nun auch eine ausführliche Replik von Rüdiger Suchsland veröffentlicht.

Schicksal Verschwörung

Sein Kotzen lässt kotzen und aus Bröckers Brocken formen sich die Worte: "Ob man sich aber Nazi-Gegner und Antifaschist nennen und gleichzeitig für eine rassenreine "Demokratie" in den Grenzen von 33 vor Christus eintreten kann, das wäre dann doch die eine oder andere Überlegung wert." Die Kommentatoren krönen als Zusatz die corporate identity des Verlags: Die Klientel weiß den Inhalt der dümmlichen Publikationen bestens anzuwenden und zückt das Merkheft.
via

Verdorben?

Ein Ja klang noch nie schöner.

Kannst dir das vorstellen?

Der Krieg des Charlie Wilson ist einer der wenigen Filme über amerikanische Politik, bei denen es was zu lachen gibt, blökt es nicht bei Cinemaxx-TV, sondern mit ruhigem Ton in der FAZ-Videokritik. Videokritik, das meint Ausschnitte + Inhaltsangabe + drei, vier wertende Sätze im Jargon der härtesten Filmredaktion Europas + mitgedachtem Anhang, der irgendwann schon kapitulieren wird. Ich wusste nicht, dass auch dort über Bild- & Wortfusion die Werbekumpanei fortgeführt wird, aber andererseits, für solch kluge Köpfe braucht es immerhin keine zumindest begrenzte Sperrfristen mehr, allenfalls dauerhafte. Man stelle sich mal diese verschärfte Welt vor: ein komödiantischer Film, der zum Kichern einlädt... Soviel zum Kinnkraulen des großen Mannes. Der kleine Mann hingegen kriegt einen kleinen Mann vorgesetzt, der dann die Litanei der Gewaltpornographie tantraesk anstimmen darf, wenn über amerikanische Politik nicht nur nicht gelacht werden kann, sondern sie einfach nicht in Erscheinung tritt, aber trotzdem wenigstens als grüne Wiese unterm dummen Blut hervorlugt. Primitive Perversionen der Bildpolygamie. Welcher Filmkanon verhindert solche Menschen? Oder generiert sie? Welcher bildende Künstler muss sich frühmorgens derartiges bieten lassen? Wie groß muss die Spanne zwischen Aus- und Einschlafen zukünftig berechnet werden? Und was ist hilfreicher? Fremdschämen, abwatschen oder hauen?

Kulturpessimismus - schon gestern!

"Kino war immer Traumfabrik, auch Traum-Industrie. Das Kino der „postindustriellen" Ära wird kein Kino mehr sein, weil seine Visionen aus der elektronischen Retorte stammen: stromlinienförmige Fantasy-Gebilde für die Distribution und den anschließenden Verschleiß durch Kabelfernsehen und Kassettengeschäft. Das Nichts hat zugeschlagen und Phantásien längst verschluckt."

Die unendliche Geschichte als generalstabsmäßig geplante Entnationalisierung der Kinokulturen

Dann noch den entzückenden Verriss Ekkehard Knörers zu Die Welle. Geht auch anders.

Büttenredner

"Herr Doktor, das ist schön von euch."