The Flodders will rise again

Aber, liebe SZ, wenn man sich mit solchen Sentenzen eines gewissen Werner Schneiders erstmal hat in Rage schreiben lassen (Der Film beschränkt sich auf zwei dysfunktionale Familien; er zeigt Szenen brutaler Gewalt eines Vaters gegen seinen Sohn, Szenen gegenseitiger Verachtung und drastisch praktizierter Treulosigkeit von Ehepartnern; er stellt dar, wie gewinnbringend der Handel mit Drogen ist und wie man als jugendlicher Händler und Konsument seine Eltern täuscht.), um im Fazit auf besser geeignete Figuren zu stoßen, die zeigen, wie ein Leben gelingen kann, wenn Selbstvertrauen, Verantwortungs- und Anstrengungsbereitschaft das Leben leiten, obwohl den Anlass zur zivilgesellschaftlichen Erzürnung doch eigentlich "American Beauty" bot, also noch eigentlicher dessen Schneiders Meinung nach zweifelhafter Status als thematische Abiturprüfungs-Vorgabe, in der es inhaltlich am eigentlichsten ja schon darum gehen soll, wie unterschiedlich der oft so genannte amerikanische Traum denn eben beschaffen sein kann, im Guten wie im Schlechten, und Du also nun herumkrakeelen lässt, dass sich Suizid, Ehebruch, Drogenhandel und Elterntäuschung nicht als wochenlanges Unterrichtsthema schicken, Selbstbefriedigung, Verführung Minderjähriger und Stressabbau durch Waffengewalt schon gar nicht, wenn also offensichtlich vornehmlich die Weihen der Träumerei besungen werden sollen, dann darf doch schon einmal gefragt werden, ob die Filme Catch 22, Erbarmungslos, Wie ein wilder Stier, Bonnie und Clyde, Magnolia, Duell, Badlands, The Wild Bunch, Vierzig Gewehre, Harold & Maude, American Gigolo, Fargo, The Deer Hunter, Wall Street, L.A. Confidential, In den Wind geschrieben und noch so manch weitere Werke Deiner Kanonimitierenden SZ-Cinemathek nicht besser samt und sonders durch Pretty Woman ersetzt werden sollten, schon um ein bildungspädagogisches Zeichen zu setzen? Ach, schon ausverkauft? Naja, die nächste Liste steht sicher schneller als Du denkst, oder?
thomas (Gast) - 2009-07-01 12:03

ich wollte auch erst was zu dem gefasel schreiben, dachte mir dann aber: to hell with it. ist es das wirklich wert, einem erschrockenen lehrer zu antworten, der laut autorenangabe über filmanalyse offenbar promoviert, zu solcher aber nicht befähigt ist? und der dank flachster oberflächenlektüre plus rezeptionsspekulation ("für gewisse leute mag dies ja reizvoll sein" o.ä.) zu einer argumentation gelangt, mit der man ganz genauso goethes "faust" ("ein seine midlife crisis nicht bewältigender, von der reinen lehre abgefallener wissenschaftler gibt sich satanischen ritualen hin, schwängert eine minderjährige und lässt diese in der stunde ihrer größen not allein zurück") oder homers "ilias" ("gelangweilte gottheiten finden im ränkespiel gefallen daran, notgeile männer an ihren schwänzen herumzuführen, um eine ganze region auf jahre hin in tod und verderben zu stürzen") oder auch der 8. gesang der "odyssee" ("verkrüppelter handwerker überrascht seine attraktive gattin beim geschlechtsverkehr mit einem gut aussehenden jungen mann, um daraufhin beide im bett zu fesseln und allen seinen freunden deren peinliche nacktheit zu präsentieren") leichtester hand aus dem unterricht verbannen ließe.

andererseits: wenn man dummes geschwafel, immer nur dummes geschwafel sein lässt, gewinnen die am ende noch. deswegen: bin bei dir!

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