Josef Schnelle/ Rüdiger Suchsland - Zeichen und Wunder - Das Kino von Zhang Yimou und Wong Kar-Wai

b11499Mit dieser Doppelmonographie legt der Schüren-Verlag erstmals im deutschsprachigen Raum ein Buch zu den Oeuvres Wong Kar-Weis und Zhang Yimous vor. Dabei könnten augenscheinlich Methoden als auch kulturelle Einbettung beider Regisseure unterschiedlicher nicht sein: waltet bei Yimou strenger Formalismus, der sowohl produktionstechnisch als auch ästhetisch seinen Ausdruck findet, verliert sich Wong Kar-Wei im assoziativen Strom des Bilderrauschs, lässt Stimmungen gegenüber narrativer Dichte dominieren und findet zudem seinen Rückhalt in einem sehr europäischen Filmverständnis. So ist es erklärtes Ziel der beiden Filmjournalisten Schnelle und Suchsland „Gemeinsamkeiten und Differenzen in Stil, Motiv und Themensuche“ nachzuspüren und beiläufig den Rahmen für die Spezifika chinesischer Kultur wie Kulturindustrie zu justieren.
Der eher feuilletonistische Stil kommt diesem Vorhaben durchaus partiell zugute. Insofern er sich durch die Verweigerung wissenschaftlicher Präzision ein wenig selbst den ausgemachten, gar nicht so disparaten Handschriften der Regisseure verschreibt, vermittelt er durchaus ein Gefühl für ihre motivische und ästhetische Vielfalt, ohne den Gestus der Bewunderung hintanstellen zu müssen. Die Kapitel etwa zu Farbwelten, Sehen und Blicken, die die Verbindung beider Regisseure durchaus zu legitimieren wissen, sind wahre Kleinode. Auch die historischen Kontextualisierungen, in denen sich die Differenzen zwischen chinesischer und hongkong-chinesischer Filmgeschichte historisch bedingt gar nicht so sehr als dichotome Pole, denn mehr als signifikante Momente der Interdependenz offenbaren, schärfen den Blick für eine nicht ausschließlich als Enklave der Emigrationswilligen zu begreifende filmspezifische Perspektive auf den Stadtstaat.

Ärgerlich wird es, wenn der gelegentliche Plauderton die beiden Autoren dazu nötigt, diese ausgemachten Freiheiten gegenüber dem vermeintlich restriktiven Studiosystem Hollywoods in Stellung zu bringen, also eben die Gelegenheit zu nutzen, um etwas Ressentimentpflege zu betreiben und sich ausgleichend dazu in kultischer Verehrung bezüglich asiatischer Filmkunst etwas zu oft den Ball zuzuspielen. Das mag vielleicht auch der Grund für den doch etwas inkonsistenten Aufbau des Buchs sein, wodurch eben viele Aspekte angerissen, aber auch etwas unvermittelt nebeneinander stehen. Dann wird die Abhandlung über Martial Arts und chinesische Tradition neben Portraits der StammschauspielerInnen oder des Kameramanns Christoph Doyle positioniert und hinterlässt im Gesamtbild doch den Eindruck, dass aus verschiedenen Anlässen entstandene Aufsätze aus Gründen der Themenkompatibilität einfach kompiliert wurden. Das prädestiniert das Buch zwar zum angenehmen querlesen, kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass viele Aspekte, und davon zeugt vielleicht auch die für den Verlag ungewöhnlich ausführliche Bebilderung, noch undurchleuchtet bleiben, was sich beide Autoren indes fairerweise in der Einleitung selbst eingestehen.

Und abschließend: über die zahlreichen Tipp- und Grammatikfehler mag man hinwegsehen, solange sie keine Sinnentstellung zu Folge haben, den Verzicht auf ein Personen- und Schlagwort-Verzeichnis hätte es aber nicht gebraucht.

Josef Schnelle/ Rüdiger Suchsland: Zeichen und Wunder - Das Kino von Zhang Yimou und Wong Kar-Wai, Schüren Verlag, Marburg 2007, ISBN 978-3-89472-438-2, 203 Seiten, 19, 90 Euro
Schüren

auch veröffentlicht in: Testcard #18

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