Dead End (USA/F 2003, Jean Baptiste Andrea/ Fabrice Canepa)
Eine schwer zu präzisierende Gefahr, die in der Abgeschiedenheit des offenen Raumes lauert und ihre Opfer zur Flucht in den sich immer weiter beschränkenden zwingt, ist seit je her ein zentraler Topos des Horrofilms. Auch in diesem Debüt verhält es sich nicht anders, obgleich dem Zuschauer ein höchst schwarzhumoriges Spiel mit den Mechanismen des Genres präsentiert wird.Der traditionelle Familienweihnachtsbesuch der Eltern mütterlicherseits entwickelt sich zum puren Fiasko, nachdem Vater entgegen aller Gewohnheiten eine Abkürzung austesten möchte, die Mutter, Sohn und Tochter samt Freund direkt in die unheilvollen Tiefen des Waldes führt. Dort hausen weißgekleidete Frauen, flüsternde Phantome und schwarze Leichenwagen, und ehe man sich versieht, ist die Gruppe auf einen Überlebenden dezimiert.
Das ist so simpel wie vorhersehbar. Spannend wird es erst, wenn sich peu a peu abzeichnet, dass, unter Beibehaltung der äußeren Bedrohung, die Erzählung im Inneren (und das bleibt den gesamten Film über eben nicht nur sinnbildlich das Auto) zur Entfaltung der Familiengeschichte genutzt wird. Was zunächst als altbekannte Klischeereproduktion des Genrediktats anmutet, entpuppt sich im weiteren Verlauf als höchst sarkastische Abhandlung der Gesetze vornehmlich des Slasherfilms. In den unangebrachtesten Momenten beichtet da der Sohn seinen Marihuanakonsum, die Tochter ihre Schwangerschaft oder die Mutter ihren Seitensprung. Und das ist bloß die Speerspitze der bizarren Szenarien, denn dies alles wird weder im postmodernistischen Modus ala Scream verhandelt, indem die herangezogenen Versatzstücke bloß zur Bebilderung der, denselben Mechanismen subsumierten Dramaturgie herhalten müssen, noch in bester Scary Movie Tradition schlichtweg verulkt, sondern steht spätestens im Schlussteil immer noch im Dienste der Erzählung, wenn der ganze humoristische Tonfall regelrecht groteske Ausmaße annimmt. So bleibt das Grauen erhalten, trotzdem uns vorher noch präsentiert wurde, mit welch regelrecht primitiven Mitteln es eigentlich erzeugt wird.
Der Wandel des Humors entspricht so ziemlich den zunehmenden innerfamiliären Konflikten: je mehr sie sich zuspitzen und alsbald in Fanatismus umschlagen, desto intensiver erlangt er bizarren Charakter jenseits irgendwelcher Kennerschenkelklopfer und generiert so in erheblichem Maße die sattsam bekannte Atmosphäre der Ausweglosigkeit. Dass die Auflösung notgedrungen ein wenig abflacht, kann da auch nicht weiter erschüttern.
2006-03-15 13:52 - Rubrik: Film

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